Wenn die Ablöse lockt: Warum hohe Abfindungen für Manager oft weniger wert sind als sie scheinen
Hohe Abfindungen sind selten die einfachste Lösung für Spitzenkräfte
Berlin. In Zeiten massiver Personalabbauprogramme bieten Konzerne wie Bayer, Mercedes oder VW verstärkt sechsstellige Abfindungen an, um Kündigungen einvernehmlich zu regeln. Auf den ersten Blick erscheinen diese Summen attraktiv. Bei näherer Betrachtung jedoch offenbaren sich für Manager oft deutlich lukrativere und sicherere Alternativen.
Eine Einmalzahlung kompensiert zwar den sofortigen Einkommensverlust, sie berücksichtigt aber nicht mögliche Ansprüche aus variablen Vergütungen, nicht ausgeübten Aktienoptionen oder langfristigen Bonusprogrammen. Zudem können steuerliche Effekte, Sperrfristen und konkurrierende Angebote die reale Wertigkeit einer Abfindung deutlich mindern.
Worauf Führungskräfte achten sollten
Führungskräfte sollten Abfindungsangebote nicht übereilt annehmen. Vor einer Unterschrift lohnt sich eine systematische Prüfung folgender Punkte:
- Gesamte Vergütungsstruktur prüfen: Laufender Gehaltsteil, noch nicht ausgezahlte Boni und mögliche Equity‑Ansprüche berücksichtigen
- Steuerliche Auswirkungen klären: Einmalzahlungen können progressiv besteuert werden und die Nettosumme reduzieren
- Arbeitsrechtliche Folgen bedenken: Garden leave, Wettbewerbsverbote und Referenzen aushandeln
- Alternative Modelle prüfen: Gehaltsfortzahlung, gestaffelte Abfindung, Beschleunigung der Aktienvestings oder verlängerte soziale Leistungen
- Finanzielle Absicherung prüfen: Übergangsregelungen für Krankenversicherung, Altersvorsorge und mögliche Abfindungsraten
- Fachliche Beratung hinzuziehen: Arbeitsrechtler und Steuerberater liefern oft erhebliche Vorteile in Verhandlungen
Verhandeln statt sofort unterschreiben
Unternehmen setzen Abfindungen gezielt ein, um schnelle Einigungen zu erzielen. Manager hingegen sollten Zeit für eine strategische Gegenverhandlung nutzen. Häufig lassen sich neben der Höhe der Einmalzahlung bessere Konditionen erzielen, etwa durch die Übernahme von Pensionslücken, die Auszahlung nicht realisierter Aktien oder eine vertraglich abgesicherte Freistellung mit vollem Gehalt.
Besonders wichtig ist die Betrachtung der individuellen Karriereperspektive: Wer nach kurzer Zeit wieder ein attraktives Angebot auf dem Markt annehmen kann, profitiert unter Umständen weniger von einer hohen Abfindung als von einer ausgefeilten Übergangsregelung.
Fazit
Hohe Abfindungen sind emotional überzeugend, wirtschaftlich aber nicht immer optimal. Manager sollten Angebote ganzheitlich bewerten, steuerliche und arbeitsrechtliche Aspekte prüfen und professionelle Beratung in Anspruch nehmen. So lässt sich oft ein deutlich besseres Gesamtpaket erzielen als durch vorschnelle Zustimmung zu einer Einmalzahlung.