Bereinigter Gender Pay Gap bleibt groß: Vertriebs-, kaufmännische und HR-Leitungen benachteiligen Frauen deutlich
Bereinigte Lohnlücke trifft Frauen in Führungspositionen besonders hart
Deutschlandweit, 29. Mai 2026 — Eine neue Auswertung der kununu-Gehaltsdaten zeigt: Selbst nach Berücksichtigung von Erfahrung, Branche, Region und Führungsverantwortung verdienen Frauen in mehreren Führungsrollen deutlich weniger als ihre männlichen Kolleginnen und Kollegen. Die Zahlen legen nahe, dass strukturelle und kulturelle Faktoren nach wie vor die Entlohnung prägen.
Die Spitzenreiter im Negativ-Ranking
- Vertriebsleiterinnen: Im Schnitt 57.140 Euro gegenüber 75.731 Euro bei Männern; bereinigter Gap 32,5 Prozent, Differenz 18.592 Euro pro Jahr.
- Kaufmännische Leiterinnen: Durchschnittlich 82.918 Euro versus 105.186 Euro bei Männern; bereinigter Gap 26,9 Prozent, Differenz 22.268 Euro jährlich.
- Personalleiterinnen: 92.299 Euro im Vergleich zu 108.479 Euro bei männlichen Führungskräften; bereinigter Gap 17,5 Prozent, Differenz rund 16.180 Euro.
Warum bleiben diese Lücken bestehen?
Die Analyse ist bereinigt, das heißt: Vergleichbare Kriterien wie Erfahrung, Karrierelevel und Branche wurden berücksichtigt. Was bleibt, lässt sich nicht mehr allein mit Berufswahl oder Teilzeit erklären. Im Vertrieb spielen variable Gehaltsbestandteile und Netzwerke eine große Rolle; dort wirken tradierte Bündnisse und informelle Interaktionsformen zugunsten von Männern. In kaufmännischen Leitungen deuten die besonders hohen absoluten Differenzen auf Verhandlungsdynamiken und kulturelle Erwartungen an klassische Fuhrungspersonen hin. Und ironischerweise zeigt sich die Lücke auch im Personalwesen, wo Gleichstellungsfragen eigentlich Teil der Aufgabe sind.
Ein strukturelles Problem, keine Einzelerscheinung
Studien und Auswertungen anderer Institute stützen die Befunde: Ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen reduziert teils die Lohnlücke, doch die Entwicklung verläuft langsam. Dass Personalleitungen ebenso betroffen sind, unterstreicht die Tiefe des Problems: Nicht nur Branchenstruktur, sondern auch institutionelle Routinen und implizite Zuschreibungen spielen eine Rolle.
Was bedeutet bereinigt wirklich?
Der bereinigte Gender Pay Gap filtert vergleichbare Merkmale heraus und zeigt damit die Differenz, die sich nicht durch Qualifikation, Erfahrung oder Stellenanforderungen erklären lässt. Genau deshalb gilt er als besonders aussagekräftig und unbequem: Er legt nahe, dass es systematische Benachteiligungen gibt, die sich nicht mit einfachen Erklärungen aus der Welt schaffen lassen.
Unternehmen, Politik und Personalverantwortliche stehen damit vor der Aufgabe, nicht nur Transparenz über Gehaltsstrukturen zu schaffen, sondern auch Verhandlungsprozesse, Bonusvergaben und informelle Karrierenetzwerke kritisch zu prüfen. Solange diese Mechanismen ungeregelt bleiben, drohen gleiche Tätigkeiten unterschiedlich entlohnt zu werden.

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